Da Schneebrunza

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Schnee
Zusammenfassung
62 Da Schneebrunza

inspiriert durch den Traumwinter (und den vielen Pinkelspuren im Schnee)
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Die Weihnachtsferien send wieder vie,
die Kinder ziacht’s zur Voiksschoui hi.
So a poor Tagei frei – des tuat scho guat,
a Glachta gib’s – eu send voi Iwamuat.

Der Winter is hoia a richtiger Tram,
gonz dick hängand Schneepoister in die Bam,
die Weg schneeweiß – so fei zun Geh,
so is Tiroi nit nur fi die Fremdn schee!

An Direktor gfäut des a so guat,
auf oamoi bleib a steh – eam stockt des Bluat,
im weissen Schnee – gonz frisch is s’gwesen –  
is gonz deitlich die Schrift „scheiß Schui“ zun Lesen!

An Lehrerzimmer fong a u zun Schrein:
„So eine Frechheit, das darf doch gar nicht sein“.
Er valong Aufklärung – er mecht’s jetz wissen:
„und appelliert in allen Klassen an das Gewissen!“

Da Lehrer Huber is der Klassenvorstand von der 2c.
Er mog die Kinder gern – hot a an guat’n Schmäh,
fi a bissl an Schneepinkeln scheint eam der Aufwand z’fü,
er muas owa decht streng wirken, wei’s der Direktor aso wü.

Mit ernster Miene steht da bein Katheder,
die Kinder gwons, jetz geit’s a Dunnaweda.
„Ich möchte jetzt wissen, wer das da draußen war
das wirkt sich auf die Betragensnote aus, das ist ganz klar!“

Gonz stad is, koana traut si z’rian,
des schlechte Gwissen kust förmlich spian.
Nua da Franzei hot auf oamoi roate Oun,
der huckt a da easchtn Reih bei da Lisl voun.

„Außerdem gibt es auch in Deutsch noch eine Strafaufgabe,
da sind in einem Wort mehr Fehler, als ich je gesehen habe!“
„Wie ist die Schule? – ein Eigenschaftswort schreibt man klein,
nach einem „ei“ schreibt man scharfes „ß“ – geht das in euren Kopf nicht rein?“

„Das Eigenschaftswort wird vom Hauptwort streng getrennt,
es heißt auch nicht „Schui“ sondern „Schule“ – die ihr sicher kennt“.
„Ihr bleibt heut alle da – bis sich der Feigling zu melden traut“.
An Lehrer kimmb ja schiaga s’Lochn aus, obwoi er ganz grimmig schaut.

Da Franzei rutscht mit sein Osch auf der Schuibank ummadum,
oft galing weascht er munta – es weascht eam z’dumm.
Er reißt die Hand in d’Hech und nimmb si a Hearschz, damit er s’udafong:
„I woit eh „Schule“ schreiben, owa s’Soachn hot nit glong!“

„Des Minus in der Betragennote kriag scho i,
fi die Deitschfehler ku i owa nix dafi!“
„De kriag die Lisi – des is gonz gwies –
wei gsoacht hu i – owa gschriebn hot die Lis!“

Beschreibungen und Ausdrücke

vie = vorbei
ziacht's = zieht es
Glachta = Gelächter
Tram = Traum
BAM = Bäume
gfäut = gefällt
oamoi = einmal
Dunnaweda = Donnerwetter
stad = leise, ruhig
z'rain = zu rühren
spian = spüren
roate Oun = rote Ohren
huckt = sitzt
easchtn = ersten
voun = vorne
schiaga = fast
s'Lochn = das Lachen
Osch = Hintern (Arsch)
oft galing = auf einmal
weascht = wird
in d'Hech = in die Höhe
Hearschz = Herz
udafong = anfangen kann
woit = wollte
Soachn = Urinieren
glong = ausgereicht
owa nix dafi = aber nichts dafür
gwies = gewiss
gsoacht = uriniert
hiu i = habe ich
gschriebn = geschrieben