Dechtln

Das Bild zum Gedicht

Fass
Zusammenfassung
259 Dechtln - Oktober 2013
Gedanken die mir heuer im sehr trockenen Sommer beim Nachfüllen des leeren Fasses im Garten gekommen sind. Von der Überforderung der Kinder und dem Verlust einer Möglichkeit langsam zu reifen.
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Die Dachtrupf weascht bei mir in an Fassl gfong,
damit ma zun Blumengiassn a Wossa daglong,
des Fassl soid oiwei  voi Wossa sei,
wei’s siest nimma dicht ist – des is donn nit fei!

Hus iwasechn – hu mit’n Schlauch nochisg’schitt,
is owa bei die Fassldaubn aussagrunna in da Mitt,
da brauchst Geduid: Schitten, nocha boaten,
eascht nocha kust wieder a wenk Wossa nochiloatn!

S’Hoiz muas des Wossa aufnemma und vadauen,
damit sie die Klossen schliassen, da kust nocha zuaschaun,
bein Dechtln kust nit hudeln – des braucht sei Zeit,
boid’st des vastonden host, donn lafft des gscheit.

Die Kinda soidn im Muttaleib schon Mozart hean,
im Kindagoschtn Chinesisch leana, des hädn’s gean,
Balletstund, Flöten-, Klavier- oda Gitarrenspühn,
Turnierreiten, Boldern – oft a gegan Wühn!

Kriang nit Zeit zun Trama, an Bachei zuaschaun,
oda si amoi auf an Bam aufikraxln traun,
mit an Staudomm s’Wassal fossen,
oda oafach amoi a Steckal schwimma lossen.

Bein Spühn amoi a dreckig wean,
Moosbeen an Mund eichibrocken – des tatn’s gean,
oda oafach amoi in d’Luft schauen, wo’s d’Vegl tand,
mia woind dass die Kloan scho so fria dawoxen sand!

Is owa wia bei mein Oachnfassl – is gonz gleich!
Eigentlich ist des ja ois nit neich!
Mia soin die Klossen nit mit Silikon zuaschmian,
mia soidn’s dechtln, sie soidn s’Wassal eichirinna g’spian!

Beschreibungen und Ausdrücke

Dachtrupf = Dachrinne, Dachablauf
weascht = wird
Fassl gfong = in einem Faß aufgefangen
daglong = erwischt, bekommt
soid oiwei = soll immer
wei's siest nimma = weil es sonst nicht mehr
hus iwasechn = habe es übersehen
nochig'schitt = nachgefüllt
Fassldaubn = Faßtauben (Bretter des Fasses)
aussagrunna = herausgelaufen
in da Mitt = in der Mitte
schitten = schütten, nachfüllen
nocha boaten = danach warten
easch nocha = erst dann
nochiloaten = nachfüllen, nachleiten
s'Hoiz = das Holz
die Klossen = die Fugen zwischen den Brettern
bein Dechtln = Abdichten durch Wasserquellung des Holzes
nit hudeln = nicht schludern
gegan Wühn = gegen ihren Willen
kriang nit = bekommen nicht
zun Trama = zum Träumen
si amoi = sich einmal
auf an Bam = auf einen Baum
s'Wassal fossen = das Wasser aufstauen
Steckal = (Holz-)Stöckchen
bein Spühn = beim Spielen
Moosbeen = Heidelbeeren
eichibrocken = hineinpflücken
tatns gean = würden sie gerne machen
d'Vegei tand = was die Vögel machen
mia woind = wir wollen
fria dawoxen sand = früh erwachsen sind
Oachnfassl = Eichenfaß
zuaschmian = zuschmieren
soidn's dechtln = soll sie dechtln
soidn's Wassal = sollen das Wasser
eichirinna g'spian = hineinfließen spüren