Fortschritt

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352 Fortschritt
Zusammenfassung
352 Fortschritt
Gedicht August 2017

ein wehmütiger Vergleich mit "früher"

Bild Internet
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Im Worteraum von Dokta sitzt die Lisi und die Wett,
sie ratschen a wenk, sie homms recht nett,
vom Fortschritt in da Medizin homms g’lesen,
es is in oana vo die Schundzeitunga gwesen.

Dass heit gornimma schwierig waar,
ois megliche aussa z’finden iwa die DNA!
Is nid gonz sicha, ob ins des scho weidabring
und ma fie den weita Lebensweg ebbas dazua gwing!

A bei onare Kronkheiten send sie heit vüh weida,
und a bei der Psyche send’s schon füh gscheida,
heid wissens genau, warum sand sovüh bled!
No wissens owa nid, wia die Heilung geht!

„Wia i jung woor, woor des no onascht“ sogg die Wett,
„Boid i an Huasten khobb hu, wor des nid nett!
Do hu i mi bein Dokta ausziachen miassen bis auf die Socken,
und donn auf sei koide Liege auffihocken!

Es wor schwierig – die Brust hod a gonz genau o’griffen
und hod dabei gonz wissend pfiffen,
hod g’schaut, dass woi nid zwischen d’Fiass ausstroiht,
irgendwie hu i des Gfüh khobb, dass eam des gfoid.

Heit host an Termin, die eCard steckt,
a Stawal in Mund, die Zung ausstreckt,
oamoi a lauts AAAA – des Rezept ausg’stöhd!
Da geht’s um Effizienz – und a ums Göd!

Owa des is hoid da Forschritt, den dabrems ma nimma,
mit die gonzen Computer weascht des sicha schlimma!
A boid da Roboter vielleicht amoi die Kronkheiten kennt,
i muas schon sogen, i denk no oft an Dokta seine Händ!“

Beschreibungen und Ausdrücke

Im Warteraum vom Arzt sitzen die Lisi und die Barbara,
sie tratschen ein wenig, sie haben es recht nett,
vom Fortschritt in der Medizin haben sie gelesen,
es ist in einer der Schundzeitungen gewesen.

Dass es heute gar nicht mehr so schwierig wäre,
alles mögliche herauszufinden über die DNA!
Ist nicht ganz sicher, ob uns das schon weiterbringt
und wir für den weiteren Lebensweg etwas dazu gewinnt!

Auch bei anderen Krankheiten sind sie heute viel weiter
und bei der Psyche sind sie schon viel gescheiter,
heute wissen sie genau, warum so viele blöd sind!
Noch wissen sie aber nicht, wie die Heilung geht!

"Wie ich jung war, war das noch anders" sagt die Barbara,
"Wenn ich Husten gehabt habe, war das nicht nett!
Da habe ich mich beim Doktor ausziehen müssen bis auf die Socken,
und dann auf die kalte Liege hocken!

Es war schwierig - die Brust hat der ganz genau abgegriffen
und hat dabei ganz wissend gepfiffen,
hat geschaut, dass es wohl nicht zwischen die Füsse ausstrahlt,
irgendwie hatte ich das Gefühl gehabt, dass ihm das gefällt.

Heute hast du einen Termin, die eCard steckt,
einen Stab in den Mund, die Zunge ausstrecken,
einmal ein lautes AAAA - das Rezept ausgestellt!
Da geht es um Effizienz - und auch ums Geld!

Aber das ist halt der Fortschritt, den können wir nicht mehr bremsen,
mit den ganzen Computern wird das sicher schlimmer!
Auch wenn ein Roboter vielleicht einmal die Krankheiten erkennt,
ich muss schon sagen, ich denke noch oft an die Hände des Doktor!"