Hummel-Pardoxon

Das Bild zum Gedicht

364 Hummel
Zusammenfassung
367 Hummel-Pardoxon
Gedicht April 2018

Nach einer Geschichte aus den 1930er-Jahren, die vom renomierten Aerodynamiker Ludwig Prandtl von der Universität Göttingen stammen soll. Nach dieser Berechnung sollten Hummeln eigentlich nicht fliegen können. Auch wenn die Geschichte nicht stimmen sollte, finde ich das einen netten Aphorismus, Wir sollten die Stärken der Kinder unterstützen und nicht nur die Fehler suchen.
Zum Vorlesen hier klicken!

Da Franzei hod a Krippei g’moin,
mid Hirten, Schaafi –  des hod eam g’foin!
Des Kindl im Bettei, Josef und Maria stehn dahinta,
auf’n Doch om Schnee – es ist jo Winta.

Moid die drei Kinig und an goidan Stean,
ku vor lauta Eifa gornid feaschtig wean!
Mid an roten Strich hod a s’Büd eingrohmt,
so wia’s des bei die scheen Weihnochtskoschtn hommb.

„Na Mannei, wo’s soid denn des woi sei!
Des schaugg jo wia a Fakki aus, im Krippei drei!
Des Kamö is vüt’s kloa, des is a nid bunt!
Ma kunnt moan, dass des vo Playmobil sei kunt!“

So geht’s a bois weida, nix is krecht,
er hod’s herzoag, wei er so stoiz sei mecht!
Gonz staad muas a’s rean u’fonga,
dicke Tränen rinnand iwa seine Wonga.

Des Büdl vasteckt a in sein Zimma,
na, moin, des mog a sicha a Boisl nimma!
Is vazweifid, dass neamb sei Begeisterung vasteht
und dass des hoid nid ois glei gonz so oafach geht.

I hu vom „Hummel-Pardoxon“ g’lesen.
Es is a berühmter Aerodynamiker g’wesen,
der hod ausg’rechnt, die Hummi is vüh’ds schwaar,
und dass des Fliagn mit die kloan Fliegei unmigla waar!

Die Hummi hod Fliegeln mit 0,7 cm im Quadrat,
sodass des mid ihre 1,2 Gramm nia zun Fliag’n geh tat!
Die Hummi kümmert si owa nid, ku des nid wissen,
fliag ofach weck, hod si nix g’schissen.

Sie hod g’leand, die Fliegln im Kreis zun drahn,
wei hoid auf da Wiesen die scheen Bleami wahn,
wo da Nektar drinn is, den’s so gean hod,
den nid zun dalonga, des waar decht schod!

Vielleicht soid ma mehr mid’n Heaschzn schauen
und nid oiwei aus Perfektion hoche Mauan bauen,
Begeisterung zualossen, den Muat zun O’heben
und wia mei Hummi schneidig prowian zun leben.

Beschreibungen und Ausdrücke

Der Franzi hat eine Krippe gemalen,
mit Hirten, Schafen - das hat ihm gut gefallen!
Das Kindlein im Bettchen, Josef und Maria stehen dahinter,
auf dem dach oben Schnee, es ist ja Winter.

Malt die Drei Könige und einen goldenen Stern,
kann vor lauter Eifer garnicht fertig werden!
Mit einem roten Strich hat er das Bild eingerahmt,
so wie sie es bei den schönen Weihnachtskarten haben.

"Nein kleiner Mann, was soll denn das wohl sein!
Das schaut ja wie ein kleines Ferkel aus, in der Krippe drinnen!
Das Kamel ist viel zu klein, das ist auch nit bunt!
Man könnte ja meinen, dass das von Playmobil sein könnte!"

So geht es noch eine Zeitlang weiter, nichts passt,
er hat es hergezeigt, weil er so stolz sein möchte!
Ganz leise muss er zu weinen anfangen,
dicke Träner rinnen über seine Wangen.

Das Bild versteckt er in seinem Zimmer,
nein, malen, das mag er sicher eine Zeitlang nicht mehr!
Ist verzweifelt, dass niemand seine Begeisterung versteht
und dass das halt nicht alles gleich so einfach geht.

Ich habe vom "Hummel-Paradoxon" gelesen.
Es ist ein berühmter Aerodynamiker gewesen,
der hat ausgerechnet, die Hummel ist viel zu schwer,
und dass das Fliegen mit den kleinen Flügel unmöglich wäre!

Die Hummel hat Flügeln mit 0,7 cm im Quadrat,
sodass das mit ihren 1,2 Gramm nie zum Fliegen gehen würde!
Die Hummel kümmert sich aber nicht darum, kann das nicht wissen,
fliegt einfach weg, hat sich nichts geschissen.

Sie hat gelernt, die Flügeln im Kreis zu drehen,
weil auf der Wiese die schönen Blumen wären,
wo der Nektar drinnen ist, den sie so gerne hat,
den nicht zu erwischen, das wäre doch schade!

Vielleicht sollten wir mehr mit dem Herzen schauen
und nicht immer aus Perfektion hohe Mauern bauen,
Begeisterung zulassen, den Mut abzuheben
und wie meine Hummel schneidig probiern zu leben.