di Zweigei
Mid’n Christbaamkaffen woor i a wenk z’spaad dru,
bi frouh, dass i decht no so an scheen kriag hu,
nua bein Wipfel, do hod‘s eam a wenk g’feit,
wei‘s nid lei oan, sondern viere geit!
Zeaschd hu i amoi g’moand, de zwick ma o,
bis i – gonz hint außer – an leichten Zweifel g’woo!
Muass scho ois perfekt sei? Oder loss ma’s steh?
Eigentlich schaugg’s jo guad aus, des is sogor schee!
Mia send jo oi auf Perfektionismus drimmb,
g’weend, dass blede Regeln insa gonzes Leb’n bestimmb,
i mog des owa nid! I weeh mi, mia is des zwieda,
find blede Beispüh aus’n Leben oiwei wieda.
Vo di Zweigeio’zwickaninna auf Instragram inspiriascht,
glaam vüh, dass die Zweigei nid passen, wo’s dazu fiascht,
dass do woo’s weckzwicken, doscht woo’s eichispritzen
und d’mehrawei beim Schönheitschirugen sitzen.
Boid di Zweigeio’zwicka Frack valonga oda a Fliang,
soid des woi die Fehler, de ma hommb kaschian,
mia soind‘n stoiz sein, das nid ois gleich is, oda krod,
boid’s mid da Zwickschaar kemmand, is des schod!
Boid di U’schoffa auf da Woid vo ins valonga,
dass ma niederknian oda a’s beddeln u’fonga,
stöh i mir dia oafoch fie, wias auf’n Haisl hucken,
mid da Untahos unten und gonz fest drucken!
A „Grias di“ g’long und dabei in die Augn schauen,
do ku’st nix foisch mochen, do moggst da scho trauen,
boid des ebban nid passt, drah di o und geh
und los die Haislhucka oafoch steh!
Neamb hod’s Recht, deine Astei z’stutzen!
De Konsequenzen send oft nid oafach, owa es weascht nix nutzen,
g’frei di, dass onascht bist – vielleicht derf i dia an Rot no geben:
Der Drong zua Perfektion is wira Kondom fie’s Leben!
Zusammenfassung
551 "di Zweigei"
Gedicht Monat Jänner 2026
Gedanken beim Betrachten meines Weihnachtsbaumes
Type: nachdenklich
Beschreibungen und Ausdrücke
Mit dem Christbaumkaufen war ich ein wenig zu spät dran,
bin froh, dass ich doch noch so einen schönen bekommen habe,
nur beim Wipfel, da hat es ihm ein wenig gefehlt,
weil es nicht nur einen, sondern vier gibt!
Zuerst habe ich einmal gemeint, die zwicken wir ab,
bis ich - von ganz hinten heraus - einen leichten Zweifel merke!
Muss schon alles perfekt sein? Oder lassen wir sie stehen?
Eigentlich schaut es ja gut aus, das ist sogar schön!
Wir sind ja auf Perfektionismus getrimmt,
gewöhnt, dass blöde Regeln unser ganzes Leben bestimmen,
ich mag das aber nicht! Ich wehre mich, mir ist das zuwider,
finde blöde Beispiele aus dem Leben immer wieder.
Von den Zweigleinabzwickerinnen auf Instagram inspiriert,
glauben viele, dass die Zweiglein nicht passen, was dazu führt,
dass sie da etwas wegzwicken, dort was hineinspritzen
und die meiste Zeit beim Schönheitschirurgen sitzen.
Wenn die Zweigleinabzwicker Frack verlangen oder Fliege,
soll das wohl die Fehler, die wir haben kaschieren,
wir sollten stolz sein, dass nicht alles gleich ist oder gerade,
wenn sie mit der Zwickschere kommen, ist das schade!
Wenn die Anschaffer auf der Welt von uns verlangen,
dass wir niederknien oder zu betteln anfangen,
stelle ich mir die einfach vor, wie sie auf der Toilette sitzen,
mit der Unterhose unten und ganz fest drücken!
Ein "Grüß dich" reicht und dabei in die Augen schauen,
da kannst du nichts falsch machen, du darfst dich schon trauen,
wenn das jemanden nicht passt, drehe dich ab und gehe
und lasse die Toilettensitzer einfach stehen!
Niemand hat das Recht, deine Äste zu stutzen!
Die Konsequenzen sind oft nicht einfach, aber es wird nichts nützen,
freue dich, dass du anders bist - vielleicht darf ich dir einen Rat noch geben:
Der Drang zur Perfektion ist wie ein Kondom für das Leben!