Frischer Schnee

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319 Japan
Zusammenfassung
319 Frischer Schnee
Gedicht April 2016

Ein Gedicht, das die Poesie einer Winterlandschaft mit der Kindererziehung vergleicht
Zur Hochzeit meiner Tochter (16.4.2016)

Bild Acryl Kurt Pikl
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Hoia hod’s im Winta long nid g’schniem,
iwa Weihnachten is auf die Berg obn herbstlich bliem,
donn auf oamoi – gonz stad und iwa Nocht,
hod’s an ondlan Botzen Schnee herg’mocht.

Da easchte Schnee is mid nix z’vagleichen,
is in seiner Reinheit nia mehr zu erreichen,
die Äst vo die Bam gonz sanft umhüd,
die unberührte Landschaft – a so a schees Büd!

Des erinnert mi oiwei an die Geburt von an Kind,
die U’schuid und Reinheit is gonz gleich wia i find,
es ku ja nix Schenas fie die Eltern gebn,
ois wia glei noch da Geburt des Kind zun hebn.

So wia mit’n easchtn Sonnenstroih da Schnee ofoid,
ändascht sie des Leben vo dem Kind recht boid!
A wenk giadla toa, des wa hoit krecht,
des war’s wos i ma winschen mecht.

Nid glei mit da Schneerfräs durchifohn!
Mit’n Kies und a mit’n Soiz a wenk spohn,
bein Wegsuachen a wenk loaten,
nix dazwinga, adiam amoi a wos daboaten!

A foische Spur dalabn, soid soim draufkemma,
boids schiefgeht, in die Arme nemma,
die glonzad’n Kristalle nia aus die Augn valian,
mit vüh Liab zu an eigenen Leb’n hifian.

So wia da easchte Schnee is kloane Heaschz gonz rein,
nit z’vüh eichibotzen waar hoid fein,
leana, dass ma akzeptiascht,
dass nur da Regen zu an Regenbogen fiascht!

Dem kloan Menschei d’Fähigkeiten mitgeben,
dass glücklich wean ku in ihrem Leben,
wennst die Tür zun Heaschz nid o’spescht passiaschtz ja oft,
dass sie s’Glick eichaschwindelt – gonz unverhofft.

Boidst reifer weascht, kust an Blick zrugg mochen,
mit deine Kinda iwa Gschichten lochen,
des kimmb ma bei so an Wintatog in Sinn,
a wenn i donn a wenk nochdenklich bin.

Beschreibungen und Ausdrücke

Heuer hat es im Winter lange nicht geschneit,
über Weihnachten ist es auf den Bergen oben herbstlich geblieben,
dann auf einmal - ganz still und über Nacht,
hat es eine große Menge Schnee gemacht.

Der este Schnee ist mit nichts zu vergleichen,
ist in seiner Reinheit nie mehr zu erreichen,
die Äste von den Bäumen ganz sanft umhüllt,
die unberührte Landschaft, ein so schönes Bild!

Das erinnert mich immer an die Geburt eines Kindes,
die Unschuld und Reinheit ist ganz gleich wie ich finde,
es kann ja nichts Schöneres für die Eltern geben,
als ihr Kind gleich nach der Geburt zu halten.

So wie mit dem ersten Sonnenstrahl der Schnee abfällt,
ändert sich das Leben des Kindes recht bald,
ein wenig vorsichtig sein, das wäre richtig,
das wäre, was ich mir wünschen möchte.

Nicht gleich mit der Schneefräse durchfahren,
mit dem Kies und mit dem Streusalz sparen,
beim Wegsuchen ein wenig anleiten,
nichts erzwingen, manchmal muss man etwas abwarten.

Eine falsche Spur zulassen, soll selber daraufkommen,
wenn es schiefgeht, in die Arme nehmen,
die glänzenden Kristalle nie aus den Augen verlieren,
mit ganz viel Liebe zu einem eigenständigen Leben hinführen.

So wie der erste Schnee ist das kleine Herz ganz rein,
nicht zu viel hineinpatzen, wäre halt fein,
lernen, dass man akzeptiert,
dass nur der Regen zu einem Regenbogen führt.

Dem kleinen Menschen die Fähigkeit mitgeben,
dass es glücklich werden kann in ihrem Leben,
wenn Du die Türe zu Deinem Herz nicht absperrst passiert es ja oft,
dass sich das Glück hineinschwindelt - ganz unverhofft.

Wenn Du reifer wirst, kannst Du einen Blick zurück machen,
mit Deinen Kindern über die Geschichten lachen,
das kommt mir bei so einem Wintertag in den Sinn,
auch wenn ich dann ein wenig nachdenklich bin.