Jakobsweg

437 Jakobsweg

Den Jakobsweg z’geh, des lieg im Trend,
bei ins geht a ona vorbei, den jeder kennt,
geht vo Lofer weck, bis ins Oberlond,
is schee in da Natur, a wenk z’wondan mitanond.

Die Klosterschwesta Martha hod den Wühn,
sie mecht si unbedingt den Traam erfühn
und oi dreizehn Etappen bis zun Arlberg geh,
ois Höhepunkt in ihrem Leben, ma ku’s vasteh.

Des is schee, gibb Antwort auf so viele Frogen,
entlong die Bach, die Berg, adiam amoi is a zun Plogen,
Sonnenschein, Hitz, donn wieda a an Regen,
sie hod’s Gfüh, da Herr begleit si mid sein Segen.

Sie trifft vüh Leit, es weascht vüh g’red,
auf’d Nocht foid’s moastens miad ins Bett,
des Gemeinschaftsg’füh is guad fi’s Gmiad,
boid’s alloa is traam’s a wenk, oda sing a Liad.

Da Pata Benedikt is aus’n Stubaitoi kemma,
ma ku jo den Jakobsweg a iwa den Weg nemma,
er trifft die Schwester Martha – sie tand si zomm,
wei’s den gleichen Weg auf da letzten Etappen homm.

In St. Anton im Widum is nix mehr frei,
sie miass’n si a Zimma teilen – is zwor nid fei,
weascht owa schon funktioniarn, sie send jo im Zölibat,
waa schon zun hoffen, dass do nix passieren tat!

Es dauascht nid long, bis sie die Martha riascht!
Jammad, das ihr vüh’tz koid is, dass die Fiaß nimma g’spiascht,
dass ihr da Benedikt a Decken bringa soid, des waa nett
er hupft owa nocha gach wieder zrugg ins worme Bett.

“Mia is oiwei no koid, i daschlof’s nid ei,
kust ma no oamoi hoifen, des waa fei!”
Da Benedikt find, irgendwos is onascht a da Stimm,
er bring ihr owa no amoi a Deck, is jo nid schlimm.

“Soid ma so toa, wia wonn ma vaheirat wan’d?
Neamb weascht’z dafrogen, wei ma jo alloanig sand!”
Die Vazweiflung in da Stimm ku ma richtig hean,
sie kling sehnsüchtig, er woas owa nid, wos soid do draus no wean?

An Benedikt weascht schiach, eam is nid zun Lochen!
“Jo, des kinnand mia schon prowian, so wea mas mochen!
Nocha brauch i nimma aussa aus’n worma Bett,
du kust da Deck nocha soiwa hoin, geh sei so nett!”

Zusammenfassung

438 Jakobsweg
Gedicht März 2021

Den Jakobsweg zu gehen liegt ja im Trend - wie es zwei Pilgern ergangen ist
eine Geschichte vom Tiroler Jakobsweg

Bild Internet

Type: witzig

Beschreibungen und Ausdrücke

Den Jakobsweg zu gehen, das liegt im Trend,
bei uns geht auch einer vorbei, den jeder kennt,
geht von Lofer weg, bis ins Oberland,
ist schön in der Natur, ein wenig wandern miteinander.

Die Klosterschwester Martha hat den Willen,
sie möchte sich unbedingt den Traum erfüllen
und alle dreizehn Etappen bis zum Arlberg gehen,
als Höhepunkt in ihrem Leben, man kann es verstehen.

Das ist schön, gibt Antwort so viele Fragen,
entlang der Bäche, die Berge, manchmal ist es auch anstrengend,
Sonnenschein, Hitze, dann wieder auch einen Regen,
sie hat das Gefühl, der Herr begleitet sie mit seinem Segen.

Sie trifft viele Leute, es wird viel geredet,
am Abend fällt sie meistens müde ins Bett,
das Gemeinschaftsgefühl ist gut für das Gemüt,
wenn sie alleine ist träumt sie ein wenig, oder singt ein Lied.

Der Pater Benedikt ist aus dem Stubeital gekommen,
man kann den Jakobsweg auch über den Weg nehmen,
er trifft die Schwester Martha, sie tun sich zusammen,
weil sie den gleichen Weg auf der letzten Etappe haben.

In St. Anton im Widum ist nichts mehr frei,
sie müssen sich ein Zimmer teilen - ist zwar nicht fein,
wird aber schon funktionieren, sie sind ja im Zölibat,
wäre schon zu hoffen, dass das nichts passiert!

Es dauert nicht lange, bis sich die Martha rührt!
Jammert, ihr ist viel zu kalt, dass sie die Füsse nicht mehr spührt,
dass ihr der Benedikt eine Decke bringen soll, das wäre nett,
er hüpft aber dann gleich wieder zurück ins warme Bett.

"Mir ist noch immer kalt, ich kann nicht einschlafen,
kannst du mir noch einmal helfen, des wäre fein!"
Der Benedikt findet, irgendwas ist anders in der Stimme,
er bringt ihr aber noch einmal eine Decke, ist ja nicht so schlimm.

"Sollen wir so tun, wie wenn wir verheiratet wären?
Niemand wird es erfahren, weil wir ja alleine sind!"
Die Verzweiflung in der Stimme kann man richtig hören,
sie klingt sehnsüchtig, er weiß aber nicht, was soll daraus noch werden?

Dem Benedikt wird angst und bang, ihm ist nicht zum Lachen!
"Ja, das können wir schon probieren, wo werden wir es machen!
Dann brauche ich nicht mehr heraus aus dem warmen Bett,
du kannst dir die Decke selber holen, geh sei so nett!"